Der Fenster- und Türenhersteller Korfmacher erweitert sein Produktportfolio um Rollladensysteme und strukturiert damit sein Angebot im Bereich Sonnenschutz neu. Die Positionierung richtet sich gegen Großanbieter wie Warema und Hörmann – mit dem Versuch, als regionaler Fensterbauer die gesamte Gebäudehülle aus einer Hand zu liefern.
Vollsortiment als Strategie gegen Online-Wettbewerb
Korfmacher setzt auf ein integriertes Angebot: Fenster, Türen und nun Rollläden aus einem Produktkatalog. Der Ansatz zielt darauf, Verarbeitern und Bauherren die Koordination mehrerer Gewerke zu ersparen. Während Großhersteller wie Warema seit Jahrzehnten den Sonnenschutzmarkt dominieren, versuchen regionale Fensterbauer zunehmend, durch Vollsortimente Marktanteile zurückzugewinnen.
Die Rollladensysteme ergänzen das bestehende Fenster- und Türenprogramm. Korfmacher bewirbt dabei insbesondere die Kombination mit modernen Dreifachverglasungen – eine Kombination, die sowohl den sommerlichen Wärmeschutz als auch den winterlichen Energieeinspareffekt verbessern soll. Ob das Unternehmen eigene Profile produziert oder als Systemlieferant auftritt, bleibt zunächst offen.
Einbruchschutz und Digitalisierung als Verkaufsargumente
Neben der reinen Sonnenschutzfunktion rückt Korfmacher den Einbruchschutz in den Vordergrund. Rollladensysteme mit verstärkten Lamellen und Hochschiebesicherung gelten als mechanische Barriere gegen Aufhebelversuche – ein Argument, das in der Sanierung von Wohngebäuden zunehmend nachgefragt wird. Siegenia und Roto Frank bieten bereits integrierte Lösungen an, die Dreh-Kipp-Beschläge mit motorisierten Rollläden koppeln.
Die Digitalisierung spielt ebenfalls eine Rolle: Motorisierte Rollläden lassen sich heute über Smart-Home-Systeme steuern und mit Wetterstationen koppeln. Ob Korfmacher hier auf Eigenentwicklungen oder Partnerschaften mit Beschlagherstellern setzt, bleibt abzuwarten. Die Integration in Building Information Modeling (BIM) wäre für Architekten und Planer ein zusätzlicher Anreiz – vor allem im öffentlichen Bau, wo digitale Planungsketten längst Standard sind.
Marktlage: Sonnenschutz zwischen Nachrüstung und Neubau
Der Sonnenschutzmarkt ist zweigeteilt: Im Neubau dominieren vorgehängte Raffstore-Systeme und außenliegende Jalousien, die häufig in Pfosten-Riegel-Fassaden integriert werden. Im Sanierungsbereich hingegen sind Rollläden nach wie vor gefragt – vor allem dort, wo nachträgliche Montage ohne Fassadeneingriff möglich ist. Die BEG-Einzelmaßnahmen fördern den Austausch von Fenstern in Kombination mit Sonnenschutzsystemen, was den Absatz im deutschen Markt stützt.
Parallel dazu wächst der Druck durch verschärfte Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz: Die GEG-Anforderungen 2024/2026 verlangen für Neubauten und größere Sanierungen den Nachweis, dass Gebäude ohne aktive Kühlung auskommen. Sonnenschutzverglasungen allein reichen oft nicht aus – außenliegender Sonnenschutz wie Rollläden bleibt deshalb unverzichtbar.
Wettbewerb: Wie regionale Fensterbauer gegen Systemanbieter bestehen
Korfmacher steht mit seiner Strategie nicht allein. Auch andere regionale Fensterbauer erweitern ihre Produktpaletten, um sich von reinen Online-Anbietern und Systemlieferanten abzugrenzen. Internorm etwa bietet seit Jahren integrierte Sonnenschutzsysteme an, die werksseitig in Blendrahmen eingebaut werden. Weru setzt ebenfalls auf vorkonfektionierte Fenster-Rollladen-Kombinationen, die Verarbeiter ohne zusätzliche Gewerke montieren können.
Der Vorteil dieser Vollsortiment-Strategie: Verarbeiter und Endkunden erhalten eine Gesamtlösung mit einheitlicher Gewährleistung und abgestimmter Optik. Der Nachteil: Die Kosten steigen, weil die Bündelung von Fenster und Sonnenschutz die Preisverhandlung erschwert. Ob sich Korfmacher hier preislich gegen spezialisierte Sonnenschutzanbieter durchsetzen kann, hängt von der Lieferkette und der Fertigungstiefe ab.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft als Differenzierungsmerkmal?
Ein weiterer Aspekt, den Korfmacher möglicherweise nutzen könnte, ist die Nachhaltigkeit der eingesetzten Materialien. Rollladensysteme aus Aluminium lassen sich gut recyceln, während PVC-Lamellen aufgrund von Weichmachern und Additiven schwieriger zu entsorgen sind. Die Kreislaufwirtschaft im Fenster- und Türenbau gewinnt an Bedeutung – Hersteller, die hier frühzeitig auf rücknahmefähige Konstruktionen setzen, könnten im öffentlichen Bau Vorteile erzielen.
Parallel dazu steigt die Nachfrage nach langlebigen Systemen: Rollläden mit Aluminium-Lamellen und wartungsfreien Antrieben haben eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren – deutlich länger als günstige Kunststoff-Varianten. Ob Korfmacher hier auf Premiumqualität oder auf ein breiteres Preissegment setzt, bleibt abzuwarten.
Ausblick: Vollsortiment als Antwort auf Marktkonzentration
Die Erweiterung des Produktportfolios zeigt, wie regionale Fensterbauer auf die zunehmende Marktkonzentration reagieren. Während Großkonzerne wie Schüco und Rehau längst vollintegrierte Fassadensysteme liefern, versuchen kleinere Hersteller, durch Spezialisierung und regionale Nähe zu punkten. Rollladensysteme sind dabei ein logischer Schritt – vor allem, wenn sie mit digitalen Steuerungen und Einbruchschutz kombiniert werden.
Entscheidend wird sein, ob Korfmacher die Systeme selbst fertigt oder als Handelsware anbietet. Im ersten Fall könnte das Unternehmen Fertigungstiefen nutzen und Margen verteidigen. Im zweiten Fall bliebe es abhängig von Vorlieferanten – ein Risiko, das viele regionale Fensterbauer bereits bei Beschlägen und Verglasungen kennen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich das erweiterte Portfolio im Markt behauptet – und ob andere Fensterbauer nachziehen.
Weitere strategische Überlegungen zu Sortimentserweiterungen im Fensterbau finden sich in der Analyse „KAPO strukturiert Fenster-Sortiment neu – Positionierung gegen Online-Wettbewerb?". Auch Siegenia setzt auf Nachrüstung statt Fenster-Neukauf – ein Ansatz, der zeigt, wie Beschlaghersteller den Sanierungsmarkt erschließen.
