Der österreichische Markt für Glasverarbeitung steht Mitte 2026 unter doppeltem Druck: Auf der einen Seite wächst die Nachfrage nach hochgedämmten Isolierverglasungen und funktionalem Glas für Fassaden-Sanierungen, auf der anderen Seite kämpfen Verarbeiter mit steigenden Energiekosten und einem angespannten Arbeitsmarkt. Die OIB-Richtlinie 6 verschärft die Anforderungen an den Wärmedurchgangskoeffizienten weiter – und setzt damit klare Impulse für Dreifachverglasung und Funktionsgläser.
Nachfrage nach Funktionsglas steigt
Hersteller wie Saint-Gobain Glass France und Pilkington UK melden für Österreich eine spürbare Zunahme bei Aufträgen für Sonnenschutzverglasungen und Schallschutzglas. Vor allem im urbanen Wohnungsbau und bei gewerblichen Sanierungen wird vermehrt auf multifunktionale Gläser gesetzt, die Wärme- und Schallschutz kombinieren. Auch Internorm (internorm.com) erweitert das Portfolio im Premiumsegment und fokussiert auf dreifach verglaste Elemente mit optimiertem Uw-Wert.
Marktkontext: Neubau schwach, Sanierung stützt
Die Neubautätigkeit in Österreich bleibt 2026 verhalten. Hohe Zinsen und Materialkosten bremsen Projekte, insbesondere im privaten Wohnbau. Dagegen profitiert die Sanierung von öffentlichen Förderprogrammen wie der AWS Förderung, die Fenstertausch und Fassadenertüchtigung bezuschusst. Verarbeiter berichten von langen Vorlaufzeiten bei energetischen Ertüchtigungen von Mehrfamilienhäusern aus den 1970er- und 1980er-Jahren.
Normen und Regulatorik: OIB-Richtlinie forciert Effizienz
Mit der OIB-Richtlinie 6 gelten seit Anfang 2026 für Neubauten und wesentliche Renovierungen strengere U-Werte für transparente Bauteile. Für Verarbeiter bedeutet das einen faktischen Abschied von Zweifachverglasungen im Neubau. Auch bei Sanierungen im Bestand werden zunehmend Ug-Werte unter 0,6 W/m²K nachgefragt. Parallel erfordern die EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft ab 2027 belastbare Nachweise über Recyclingfähigkeit und Material-Traceability – ein Thema, das auch die Glasverarbeitung in Deutschland beschäftigt.
Energie- und Kostenentwicklung belasten Verarbeiter
Die Energiekosten für die glasverarbeitende Industrie haben sich trotz leichter Entspannung gegenüber 2023 auf hohem Niveau stabilisiert. Viele Betriebe investieren in Abwärmerückgewinnung und LED-Beleuchtung, um Prozesskosten zu senken. Gleichzeitig steigt der Lohndruck: Fachkräfte im Glaserhandwerk und Glasveredler sind knapp. Brancheninitiativen zur Ausbildung laufen, zeigen aber erst mittelfristig Wirkung.
Neue Produkte und Anbieter
Im Juni 2026 hat Josko Fenster (josko.at) eine neue Serie von Holz-Aluminium-Fenstern mit integrierter Beschattung vorgestellt. Die Nachfrage nach Pfosten-Riegel-Fassaden mit verbesserten Brandschutz- und Wartungseigenschaften bleibt hoch. Reynaers Aluminium (reynaers.co.uk) erweitert das Vertriebsnetz in Österreich und richtet sich verstärkt an Großprojekte im gewerblichen Bereich.
Ausblick: Digitalisierung und Materialtransparenz
Für das zweite Halbjahr 2026 erwarten Marktbeobachter eine weitere Verschiebung hin zu digitalisierten Planungs- und Bestellprozessen. BIM-Integration und digitale Produktdaten-Blätter werden zum Standard. Verarbeiter, die frühzeitig in Softwarelösungen investieren und transparente Lieferketten aufbauen, sichern sich Wettbewerbsvorteile – vor allem im Gewerbe- und Objektbau, wo Bauherren zunehmend Nachweise über CO₂-Fußabdruck und Recyclingquoten fordern.