Der Fensterhersteller REKORD Fenster Türen hat den Raffstore PRO Sun vorgestellt, ein System, das Außenjalousie und Insektenschutzgitter in einer Baueinheit kombiniert. Das Produkt zielt auf Einfamilienhausbau und Renovierungsprojekte, bei denen Bauherren beide Funktionen nachfragen, aber Montageaufwand und Kosten begrenzen wollen. Die Frage ist, ob das Kombiprodukt tatsächlich Vorteile gegenüber zwei Einzellösungen bietet oder ob funktionale Einschränkungen den Praxiseinsatz limitieren.

Zwei Systeme, ein Kasten: Wie die Kombination funktioniert

Der Raffstore PRO Sun integriert ein textiles Insektenschutzgewebe in den Führungsschienen des Raffstore-Kastens. Beide Komponenten – Sonnenschutz und Insektenschutz – werden unabhängig voneinander bedienbar gemacht. Das Insektengitter fährt senkrecht nach unten, der Raffstore funktioniert wie gewohnt über horizontal drehbare Lamellen. REKORD nutzt dafür separate Antriebswellen, die im gemeinsamen Kasten laufen. Der Hersteller gibt an, dass sich der Einbau auf Bestands-Rollladenkästen nachrüsten lässt, sofern die Kastengeometrie ausreichend Tiefe bietet.

Die Montage erfolgt in der Regel außenliegend auf dem Blendrahmen. Monteure müssen nur einen Kasten anstatt zwei separate Kästen andübeln und verdrahten. Das spart rechnerisch bis zu 30 Prozent Montagezeit gegenüber parallel installierten Einzellösungen – sofern der Elektro-Anschluss für beide Antriebe bereits vorbereitet wurde. In der Praxis hängt der Zeitvorteil stark davon ab, ob der Elektriker zwei Leitungen zur Fensteröffnung zieht oder ob eine gemeinsame Zuleitung mit Verteilerdose im Kasten genutzt wird.

Wachsende Nachfrage nach integrierten Lösungen

Die Produktentwicklung reagiert auf eine Markttendenz: Bauherren verlangen zunehmend Kombi-Produkte, die mehrere Funktionen bündeln. Insbesondere im privaten Neubau möchten Endkunden Außenjalousien und Insektenschutz nicht als separate Gewerke beauftragen. Der Trend betrifft nicht nur REKORD, sondern auch andere Hersteller im Segment Sonnenschutzsysteme. Unternehmen wie Warema oder Roto Frank bieten ebenfalls Varianten mit integriertem Insektenschutz, allerdings meist als Vorbaukästen mit größeren Abmessungen.

Die Nachfrage nach solchen Systemen steigt besonders in Regionen mit hoher Mücken- oder Wespenbelastung. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für sommerlichen Wärmeschutz: Außenliegende Sonnenschutzsysteme reduzieren die Aufheizung von Räumen deutlich effektiver als Sonnenschutzverglasung oder innenliegende Jalousien. Wer beides kombinieren will, stand bislang vor der Wahl, zwei Kästen nebeneinander zu montieren oder auf eine der Funktionen zu verzichten.

Abstriche in der Funktionalität? Kritische Punkte

Die entscheidende Frage für Planer und Verarbeiter lautet: Macht das Kombi-System funktionale Kompromisse, die im Alltag spürbar werden? Drei Aspekte verdienen Aufmerksamkeit:

1. Wartung und Instandhaltung

Bei zwei separaten Systemen lässt sich der Raffstore austauschen oder reparieren, ohne das Insektengitter anzufassen – und umgekehrt. Beim integrierten System müssen Monteure den gesamten Kasten öffnen, wenn eine der beiden Komponenten defekt ist. Das betrifft vor allem das Textilgewebe des Insektenschutzes, das je nach Lage und Witterung alle fünf bis sieben Jahre erneuert werden muss. In der Praxis bedeutet das: Wartungsintervalle für beide Komponenten sollten idealerweise synchronisiert werden, was nicht immer mit den tatsächlichen Verschleißzyklen übereinstimmt.

2. Kastenabmessungen und Fassadenoptik

Der Raffstore PRO Sun benötigt einen größeren Kasten als ein reiner Raffstore – typischerweise 15 bis 20 Millimeter zusätzliche Tiefe. Das kann bei flächenbündiger Fassadeneinbettung problematisch werden, insbesondere wenn der Kasten in das Mauerwerk eingelassen werden soll. Bei Neubauten lässt sich das in der Planung berücksichtigen, bei Sanierungen sind die Maße oft vorgegeben. REKORD bietet deshalb auch eine Vorbau-Variante an, die allerdings stärker von der Fassade absteht und optisch auffälliger ist als ein eingelassener Kasten.

3. Steuerung und Bedienlogik

Die unabhängige Bedienung beider Komponenten erfordert zwei getrennte Motoren und entsprechende Steuerungslogik. Das erhöht den Elektro-Aufwand und die Anfälligkeit gegenüber Fehlfunktionen. Wenn ein Motor ausfällt, bleibt die zweite Funktion zwar nutzbar, aber der Servicefall erfordert den Zugriff auf den gesamten Kasten. Für Smart-Home-Integrationen bedeutet das: Beide Komponenten müssen separat angesprochen werden, was nicht jede Haussteuerung standardmäßig unterstützt.

Kostenvorteil oder Mehraufwand?

REKORD bewirbt das System als kostensparende Lösung. Die tatsächliche Kalkulation hängt von mehreren Faktoren ab. Der Raffstore PRO Sun kostet in der Grundversion rund 20 Prozent weniger als die Summe zweier Einzelsysteme – sofern beide motorisiert ausgeführt werden. Der Montageaufwand sinkt, wie erwähnt, um etwa 30 Prozent. Das kann sich besonders bei größeren Projekten mit vielen Fensteröffnungen rechnen.

Allerdings fallen die Einsparungen geringer aus, wenn Sonderfälle auftreten: Bei sehr breiten Fenstern (ab etwa 2,50 Meter Breite) benötigt der Kasten verstärkte Führungsschienen, die den Preisvorteil wieder reduzieren. Bei denkmalgeschützten Objekten kann der größere Kasten problematisch werden, wenn die Genehmigungsbehörde eine möglichst unauffällige Optik fordert. In solchen Fällen bleiben zwei schlanke Einzelkästen oft die bessere Wahl.

Einordnung: Kompromiss mit klarem Einsatzfeld

Der Raffstore PRO Sun von REKORD ist kein Universalprodukt, sondern ein Kompromiss für ein klar definiertes Einsatzfeld: Einfamilienhäuser, Sanierungen mit begrenztem Platz und Bauherren, die beide Funktionen wünschen, aber nicht zwei separate Gewerke beauftragen möchten. In diesen Szenarien spart das System Montagezeit und Kosten, ohne die Kernfunktionen zu stark einzuschränken.

Für höhere Anforderungen – etwa bei Passivhäusern, wo jede Wärmebrücke zählt, oder bei Objektbauten mit strengen Wartungszyklen – bleiben dedizierte Einzellösungen die bessere Wahl. Die Kombination aus Raffstore und Insektenschutz funktioniert dort am besten, wo beide Komponenten ähnliche Nutzungsintensität erfahren und der Platz auf der Fassade begrenzt ist. REKORD richtet sich mit dem Produkt klar an den Markt für private Wohngebäude, wo Funktionalität und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen – und nicht maximale Flexibilität bei Wartung und Austausch.

Weitere Informationen zu aktuellen Produktentwicklungen im Fensterbau finden sich im Bericht über REKORDs Sortimentserweiterung bei Kunststoff-Fenstern und Terrassentüren.