Mit dem Raffstore PRO Sun bietet REKORD Fenster Türen eine Kombi-Lösung, die Außenjalousie und Insektenschutzgitter in einem Produkt vereint. Für Fensterbauer, Planer und Endkunden stellt sich die Frage: Ist das eine smarte Rationalisierung oder gehen bei der Integration beider Funktionen Abstriche verloren?

Was steckt hinter der Kombi-Idee?

Integrierte Systeme liegen im Trend, weil sie Montagezeit reduzieren und die Zahl der Gewerke auf der Baustelle senken. Der Raffstore PRO Sun setzt auf diese Strategie: Ein Kasten nimmt sowohl die Lamellen des Raffstores als auch das textile Insektenschutzgewebe auf. In der Theorie entfällt die separate Montage eines zweiten Systems, das am Fensterrahmen oder in der Laibung befestigt werden müsste.

Für Betriebe, die im Neubau oder bei der energetischen Sanierung ohnehin Sonnenschutz einbauen, könnte das Kombiprodukt Montageschritte einsparen. Der Kunde spart sich den Aufpreis für ein nachträglich anzubringendes Insektenschutzsystem. Klingt effizient – aber funktioniert es auch in der Praxis?

Funktionale Herausforderungen: Zwei Aufgaben, ein Kasten

Die zentrale Frage lautet: Kann ein gemeinsames System beide Anforderungen gleichermaßen erfüllen? Sonnenschutz muss hohe Windlasten standhalten, Insektenschutz muss luftdurchlässig bleiben und Kleinstinsekten abhalten. Die Materialien und Mechaniken unterscheiden sich deutlich.

Bei dedizierten Einzellösungen setzen Hersteller für Raffstores auf robuste Aluminium-Lamellen mit 80 bis 100 mm Breite, die bei starkem Wind automatisch hochfahren. Insektenschutzgitter bestehen hingegen aus feinmaschigem Gewebe (0,8–1,2 mm Maschenweite), das Luftzirkulation ermöglicht, aber windanfällig ist. Die Kombination beider Komponenten im selben Kasten erfordert separate Führungsschienen oder Trennelemente, die Bauhöhe und Komplexität erhöhen.

Aus technischer Sicht entstehen mehrere Kompromisse:

  • Wartung und Reparatur: Fällt die Mechanik des Raffstores aus, ist oft auch das Insektenschutzgitter betroffen – oder umgekehrt. Bei getrennten Systemen bleibt die jeweils andere Funktion intakt.
  • Austausch: Wird das Gewebe des Insektenschutzes nach einigen Jahren porös, muss unter Umständen der gesamte Kasten demontiert werden. Bei Spannrahmen oder Rollos ist der Gewebewechsel deutlich einfacher.
  • Flexibilität: Nutzer, die tagsüber keine Verdunkelung benötigen, aber Insektenschutz wünschen, müssen beim Kombiprodukt entscheiden, welche Funktion Vorrang hat. Dedizierte Systeme lassen sich unabhängig voneinander steuern.

Montageaufwand: Theorie und Praxis

In der Theorie spart die Kombination Arbeitsschritte. In der Praxis hängt der Vorteil von der Bausituation ab. Beim Neubau, wo Raffstores ohnehin eingeplant sind, kann das Kombiprodukt tatsächlich Zeit sparen – vorausgesetzt, die elektrische Ansteuerung und die Führungsschienen lassen sich sauber in die Pfosten-Riegel-Fassade oder den Sturz integrieren.

Bei der Sanierung sieht es anders aus. Hier muss geprüft werden, ob der vorhandene Rollladenkasten oder die Laibung die größere Bautiefe des Kombisystems aufnehmen kann. Ist die Laibung zu schmal, entsteht zusätzlicher Anpassungsaufwand – die versprochene Zeitersparnis verpufft.

Ein weiterer Faktor: Nachrüstbarkeit. Viele Endkunden entscheiden sich erst nach dem Fenstereinbau für Insektenschutz. Bei Raffstores ohne integriertes Fliegengitter können einfache Spannrahmen oder Rollos nachgerüstet werden. Beim Raffstore PRO Sun müsste das gesamte System von vornherein installiert werden – Nachrüstung ist nicht vorgesehen.

Kostenvergleich: Lohnt sich die Integration?

Konkrete Preise veröffentlicht REKORD nicht, aber Fachbetriebe wissen: Separate Systeme summieren sich. Ein elektrisch gesteuerter Raffstore kostet je nach Größe und Ausstattung zwischen 400 und 800 Euro pro Fenster, ein hochwertiges Insektenschutzrollo liegt bei 150 bis 250 Euro. Zusammen sind das 550 bis 1.050 Euro – plus zweimalige Montage.

Wenn das Kombiprodukt preislich deutlich darunter liegt, wird es attraktiv. Ist der Aufpreis marginal, zahlt der Kunde jedoch für ein System, das im Servicefall aufwändiger zu warten ist. Ohne belastbare Zahlen bleibt die Wirtschaftlichkeit spekulativ.

Wettbewerb: Welche Alternativen gibt es?

Im Markt für integrierten Sonnenschutz und Insektenschutz gibt es einige Ansätze, die auf unterschiedliche Bedürfnisse abzielen. Warema und Roto Frank bieten Raffstores mit optionalen Insektenschutz-Kassetten, die jedoch als separates Modul am Fenster montiert werden. Heroal setzt auf Schiebeläden mit integrierter Fliegengitter-Ebene – ein anderer Ansatz, der jedoch primär bei großen Fensterfronten zum Einsatz kommt.

Die meisten Fensterbauer setzen nach wie vor auf getrennte Systeme, weil Wartung, Austausch und Nachrüstung einfacher sind. Das Kombiprodukt von REKORD adressiert einen spezifischen Anwendungsfall: Neubauprojekte, bei denen beide Funktionen von Anfang an eingeplant werden und der Bauherr Wert auf eine einheitliche Optik legt.

Praktische Einordnung: Für welche Projekte taugt das Produkt?

Der Raffstore PRO Sun ist kein universelles Allzweckprodukt. Er eignet sich primär für:

  • Neubau-Projekte mit definiertem Budget und integrierter Planung,
  • Mehrfamilienhäuser, wo eine einheitliche Fassadenoptik gefordert ist,
  • Bauvorhaben, bei denen der Bauträger Montagezeit und Gewerke reduzieren will.

Weniger geeignet ist das System für:

  • Sanierungen, bei denen der vorhandene Sturz oder Rolladenkasten die Bautiefe nicht zulässt,
  • Einfamilienhäuser, bei denen Nutzer flexibel entscheiden wollen, welche Funktion wann zum Einsatz kommt,
  • Projekte mit hohem Wartungsanspruch, wo getrennte Systeme weniger Ausfallrisiko bedeuten.

Für Fensterbauer bedeutet das: Das Produkt sollte gezielt eingesetzt werden, nicht pauschal als Standard-Lösung. In Kombination mit Dreifachverglasung und smarter Steuerung kann der Raffstore PRO Sun seinen Platz im Portfolio finden – sofern die funktionale Integration ohne nennenswerte Abstriche gelingt.

Fazit: Smarter Kompromiss oder funktionale Sackgasse?

Das Kombiprodukt von REKORD zeigt, dass die Branche nach Lösungen sucht, die Montagezeit und Kosten senken. Ob der Raffstore PRO Sun diese Versprechen einlöst, hängt stark vom Einsatzfall ab. Im Neubau mit frühzeitiger Planung kann die Integration Vorteile bringen. Bei der Sanierung oder wenn Flexibilität und einfache Wartung im Vordergrund stehen, bleiben getrennte Systeme die pragmatischere Wahl.

Fensterbauer sollten das Produkt als Ergänzung betrachten, nicht als Ersatz für bewährte Einzellösungen. Die Herausforderung liegt nicht in der technischen Machbarkeit, sondern in der realistischen Einschätzung, wo die Kombination echten Mehrwert bietet – und wo sie zusätzliche Kompromisse erfordert. Weitere Informationen zum Zusammenspiel von Sonnenschutz und Automatisierung finden sich in früheren Analysen.