Die Henke AG aus Hamburg hat an der Technischen Hochschule OWL in Lemgo eine Fassade aus Faserzement umgesetzt. Das Unternehmen, das sich auf Dächer und Fassaden spezialisiert hat, rückt damit ein Referenzobjekt in den öffentlichen Bildungsbau – ein Segment, in dem Material-Entscheidungen häufig über Jahrzehnte Bestand haben müssen.
Faserzement im Bildungsbau: Argumente für öffentliche Auftraggeber
Faserzement gilt als langlebiges, wartungsarmes Fassadenmaterial. Anders als bei Pfosten-Riegel-Fassaden oder Vollwärmeschutz-Systemen entfallen aufwändige Wartungszyklen für Beschichtungen oder thermische Trennungen. Gerade bei öffentlichen Bauten, deren Budgets für Instandhaltung häufig eng kalkuliert sind, spielt dieser Aspekt eine zentrale Rolle.
Die Hochschule OWL betreibt mehrere Standorte in Ostwestfalen-Lippe. Der Campus in Lemgo beherbergt unter anderem Fachbereiche für Bauingenieurwesen und technische Entwicklung – Nutzer, die hohe Anforderungen an Raumklima, Schallschutz und Brandschutz stellen. Faserzement erfüllt Brandschutzklasse A1 (nicht brennbar) und bietet durch seine Dichte gute Schallschutzwerte, was in Gebäuden mit hoher Belegungsdichte relevant ist.
Ein weiterer Vorteil: Die Montage erfolgt in der Regel als vorgehängte hinterlüftete Fassade. Das System trennt Wetterschutz und Wärmedämmung klar voneinander, erlaubt den Austausch einzelner Platten ohne großflächigen Rückbau und vermeidet Feuchtigkeitsprobleme, die bei Wärmedämmverbundsystemen in schlecht gepflegten Bestandsgebäuden auftreten können.
Henke AG: Spezialist mit regionalem Fokus und überregionaler Projektakquise
Die Henke AG hat ihren Sitz in Hamburg und deckt neben Fassadenbau auch Dacharbeiten, Gerüstbau und Bauklempnerei ab. Das Unternehmen positioniert sich als Komplettanbieter für die Gebäudehülle – ein Modell, das in der Branche verbreitet ist, aber Vorteile in der Projektabwicklung bringt: Ein Ansprechpartner für Planung, Ausführung und Gewährleistung senkt Schnittstellen-Risiken, die bei gewerkeübergreifenden Projekten häufig zu Verzögerungen führen.
Mit dem Projekt in Lemgo zeigt Henke Präsenz außerhalb des Hamburger Einzugsgebiets. Lemgo liegt rund 300 Kilometer südöstlich der Hansestadt – eine Distanz, die Logistik und Baustellenkoordination anspruchsvoll macht. Für Fassadenbauer, die im öffentlichen Sektor wachsen wollen, sind solche Referenzen dennoch strategisch wichtig: Ausschreibungen für Bildungs- und Verwaltungsbauten erfolgen häufig überregional, und Auftraggeber legen Wert auf nachweisbare Erfahrung in vergleichbaren Projekten.
Das Bildungsbau-Segment ist stark umkämpft. Öffentliche Auftraggeber schreiben nach VOB aus, oft mit scharfem Preiswettbewerb. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit: Viele Länder und Kommunen fordern seit 2025 ökobilanzielle Nachweise gemäß QNG-Standard oder DGNB-Zertifizierung. Faserzement punktet hier mit geringem Primärenergiebedarf in der Herstellung und hoher Recyclingfähigkeit – Argumente, die in Ausschreibungsbewertungen zunehmend Gewicht erhalten.
Materialwahl im öffentlichen Bau: Faserzement gegen Keramik und Metall
Faserzement konkurriert im Bildungsbau vor allem mit Keramikplatten, Aluminium-Kassetten und Glas. Keramikfassaden bieten ähnliche Brandschutz- und Wartungseigenschaften, sind aber in der Regel teurer – ein Artikel über kleinformatige Keramikplatten im Fassadenbau zeigt, wie sich Anbieter in diesem Segment positionieren. Aluminiumkassetten erlauben größere Plattenformate und schnellere Montage, bringen jedoch höhere Materialkosten und schlechtere Ökobilanzen mit sich.
Faserzement liegt preislich im mittleren Segment. Die Platten werden in großformatigen Tafeln geliefert, lassen sich flexibel zuschneiden und ermöglichen sowohl horizontale als auch vertikale Verlegerichtungen. Gerade bei Sanierungen oder Nachverdichtungen im Bestand – ein wachsendes Segment im Hochschulbau – spielt diese Flexibilität eine Rolle.
Ein Nachteil: Die Oberflächen sind in der Farbauswahl begrenzt. Während Keramik nahezu jede Farbgebung erlaubt, beschränken sich Faserzement-Hersteller meist auf Grau-, Anthrazit- und Erdtöne. Für Hochschulen, die Corporate Design in der Architektur umsetzen wollen, kann das ein Ausschlusskriterium sein.
Was das Projekt für Fassadenbauer bedeutet
Die Henke AG demonstriert mit dem Lemgo-Projekt, dass mittelständische Fassadenbauer mit Spezialisierung und überregionaler Akquise im öffentlichen Sektor Fuß fassen können. Das Unternehmen setzt auf ein Material, das in der Breite bekannt ist, aber seltener im Hochschulbau eingesetzt wird als etwa Sonnenschutzglas oder Betonfassaden.
Für Wettbewerber stellt sich die Frage, wie sie sich in einem Markt positionieren, in dem Preisdruck und Nachhaltigkeitsanforderungen gleichzeitig steigen. Faserzement bietet hier einen Kompromiss: solide Ökobilanz, moderate Kosten, lange Lebensdauer – aber keine herausragenden Alleinstellungsmerkmale. Erfolg hängt davon ab, ob Anbieter über Material-Know-how hinaus Projektmanagement, Baustellenlogistik und Gewährleistungssicherheit überzeugend darstellen können.
Ein Blick auf verwandte Entwicklungen zeigt, dass auch andere Fassadenbauer ihre Portfolios erweitern: Fachbetriebe informieren zunehmend aktiv über Materialentscheidungen, um sich in Ausschreibungen besser zu positionieren. Die Henke AG geht mit dem Lemgo-Projekt einen ähnlichen Weg – mit einem Referenzobjekt, das Kompetenz in einem anspruchsvollen Segment belegt.
Fazit: Referenz mit strategischer Reichweite
Das Projekt an der Technischen Hochschule OWL zeigt, dass Faserzement im Bildungsbau als praxistaugliche Lösung funktioniert. Für die Henke AG ist es ein Baustein, um sich überregional als Komplettanbieter für Gebäudehüllen zu etablieren. Ob das Unternehmen daraus weitere Aufträge im öffentlichen Sektor generieren kann, hängt davon ab, wie es die Referenz in Ausschreibungen und Akquise einsetzt – und ob es gelingt, Preis, Nachhaltigkeit und Ausführungsqualität in einem zunehmend anspruchsvollen Markt zu balancieren.